Die Kunst des Schnürens: Blasen vermeiden durch Technik
Blasen sind der unbestrittene Endgegner jedes Wanderers. Sie können den schönsten Marsch zur Qual machen. Oft suchen wir die Schuld beim Schuhmodell selbst, doch die Wahrheit liegt häufig woanders: Es liegt daran, wie der Schuh am Fuß sitzt.
Ein Schuh, der nicht richtig fixiert ist, erlaubt dem Fuß Bewegung. Bewegung erzeugt Reibung. Und Reibung erzeugt Hitze und schließlich Blasen. Wusstest du, dass du mit der richtigen Schnürtechnik Druckstellen gezielt entlasten und den Fersenhalt massiv verbessern kannst? Wir verraten dir Tricks, die jeder Marschierer kennen sollte, um schmerzfrei ins Ziel zu kommen.
Bevor du knotest: Die Basis muss stimmen
Bevor wir zu den Spezialknoten kommen, ein fundamentaler Tipp: Wenn du in deine Schuhe schlüpfst, stoße die Ferse zwei- bis dreimal kräftig auf den Boden. So rutscht dein Fuß ganz nach hinten in die Fersenschale. Erst dann beginnst du mit dem Schnüren von unten nach oben. Achte darauf, dass die Zunge mittig sitzt und keine Falten wirft – auch das sind potenzielle Scheuerstellen.
Technik 1: Die „Marathon-Schnürung“ (Fersenschlupf verhindern)
Dies ist der Klassiker unter den Wander-Hacks. Wenn deine Ferse im Schuh bei jedem Schritt leicht hoch und runter rutscht (Fersenschlupf), entsteht enorme Reibung an der Achillessehne. Die Folge: Eine tiefe, schmerzhafte Blase an der Ferse.
So geht’s:
- Nutze das letzte, oft ignorierte Loch ganz oben am Schaft, das etwas versetzt liegt.
- Führe den Schnürsenkel auf der gleichen Seite durch dieses Loch, sodass eine kleine Schlaufe auf der Außenseite entsteht. Mach dies auf beiden Seiten.
- Fädle nun das Ende des rechten Schnürsenkels durch die linke Schlaufe und umgekehrt.
- Ziehe die Senkel fest. Du wirst merken, wie sich der Schaft eng um deinen Knöchel legt und die Ferse bombenfest im Schuh fixiert, ohne dass der Spann abgedrückt wird.
Technik 2: Die „Fenster-Schnürung“ (Druck vom Spann nehmen)
Manchmal drückt der Schuh genau oben auf dem Fußrücken (Spann), vielleicht weil dein Fuß dort besonders hoch ist oder eine Ader ungünstig liegt. Wenn du hier normal festziehst, schläft dir der Fuß ein oder es entsteht ein schmerzhafter Druckpunkt.
So geht’s:
- Identifiziere die Ösen, die genau über der schmerzenden Stelle liegen.
- Anstatt die Senkel hier wie gewohnt zu überkreuzen, führe sie an dieser Stelle einfach gerade (parallel) zur nächsthöheren Öse.
- Du lässt die Kreuzung quasi aus und baust ein „Fenster“ in die Schnürung.
- Das schafft sofort Entlastung an der kritischen Stelle und verbessert die Durchblutung.
Ein Wort zum Material: Rund vs. Flach
Nicht nur wie du schnürst, sondern auch womit, spielt eine Rolle. Viele Standardschuhe kommen mit sehr runden, glatten Senkeln. Diese sehen schick aus, neigen aber dazu, sich während des Gehens zu lockern. Wenn du merkst, dass deine Knoten nie halten:
Tausche sie gegen flache oder leicht gewachste Schnürsenkel aus. Diese haben mehr „Grip“ in den Ösen und der Knoten hält die Spannung deutlich zuverlässiger über viele Kilometer.
Dein Marsch-Kompass: Unterwegs nachjustieren ist Pflicht
Ein fataler Fehler ist es, die Schuhe morgens zu schnüren und zu erwarten, dass sie nach 25 Kilometern noch genauso sitzen. Deine Füße verändern sich während des Marsches! Sie schwellen durch die Belastung an, und das Material des Schuhs wird durch die Körperwärme weicher und weiter.
Es ist völlig normal und sogar notwendig, nach den ersten 30 Minuten oder nach einem steilen Anstieg kurz anzuhalten und die Schnürung anzupassen. Nimm dir diese zwei Minuten Zeit – deine Füße werden es dir danken, und du sparst dir die Zeit später beim Blasenpflaster-Kleben.
Probier diese Techniken unbedingt im Training aus! Die richtige Schnürung ist oft mehr wert als das teuerste Equipment.


